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Fam.- Forschung - Biographien - Her.-Gen.Ges."ADLER" - Veterinärgeschichte - Wappenkunde - Pferdekunde
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Armin Tschermak von Seysenegg,

erster gewählter Rektor der Tierärztlichen Hochschule Wien

*  Wien   21.September 1870          +  Wiessee am 9.Oktober 1952

 

Österreichischer Adel mit „Edler von Seysenegg“ durch A. E. (Allerhöchste Entschließung) vom 17. November 1906 und Diplom vom 21. Jänner 1907 für Gustav Tschermak.

Wappen: In von Rot und Gold schräglinks geteilt, ein aufgerichteter , farbgewechselter  rotbezungter Löwe, der in den Vorderpranken ein regelmäßiges, sechseitiges, an beiden Enden zugespitztes Prisma zu Pfahl gestellt hält. 

Prädikat und Wappen erinnern an das der ausgestorbenen Familie Fenzl (Föntzl) von Baumgarten und Seysenburg (Reichswappenbrief v. 28.Juni 1549, Adelsstand 26.Mai 1566) von der der Schwiegervater des Adelswerbers abstammte. Armin Tschermak von Seysenegg stammt aus einer Gelehrtenfamilie. Sein Vater,  Gustav Tschermak v. Seysenegg war Professor der Mineralogie und Petrographie, emeritierter Direktor des k.u.k. Hofmineralienkabinetts, wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften (sein Nachlass ist im Archiv der Akademie verwahrt). Der Großvater  Eduard von Fenzl mütterlichseits war Professor der Botanik an der Universität Wien und  Direktor des Botanischen Gartens, Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Sein Bruder Erich Tschermak v. Seysenegg war Professor der Pflanzenzüchtung an der Hochschule für Bodenkultur.

 

Armin Tschermak von Seysenegg,

erster gewählter Rektor der Tierärztlichen Hochschule Wien.

Tschermak v. Seysenegg studierte von 1889-1895 an den Universitäten in Wien und Heidelberg Medizin. (Promotion am 1. Juli 1895 in Wien)  Während seiner Studienzeit war er an der chirurgischen Klinik Czerny in Heidelberg und im medizinisch - chemischen Laboratorium von Hofrat Ludwig in Wien tätig. 1896 übersiedelte er nach Leipzig wo er bei dem Physiologen Hering tätig war, anschließend bei Julius Bernstein als Mitarbeiter, erhielt er am 1.April 1906 seine Berufung als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Physiologie an der Tierärztlichen Hochschule in Wien.  Vom 1. Oktober 1908 bis 30. September führte er das Rektorat und erreichte die Reorganisation und Ausgestaltung der Hochschule. Zu dieser Zeit war die tierärztliche Hochschule Wien und damit auch der tierärztliche Stand Österreichs durch innere und äußere militärische Führung in ihrer Entwicklung bedroht. Die Hochschule unterstand  nämlich dem k. und k. Militärkommando. Die Leiter dieses Kommandos waren allgemein Kavallerie - Stabsoffiziere und standen der akademischen Lehr- und Lernfreiheit, der freien wissenschaftlichen Forschung und den Erfordernissen der Entwicklung der Hochschule und des Berufes  verständnislos gegenüber. Die Spannungen zwischen der veralteten Führung und den modernen Ansichten der Professoren und Studenten führten in den Maitagen des Jahres 1908 zu Unruhen an der Hochschule, es kam zur Schließung und nach Tumulten und Kämpfen zur Besetzung der Hochschule durch Militär und Polizei. In dieser Zeit verstand es der ab 1908 zum geschäftsführenden Prorektor gewählte Professor Tschermak mit Energie und weitsichtiger Vorschau die Grundlage für einen  modernen Forschungs - und Unterrichtsbetrieb der Hochschule zu legen. Gegen Tschermak, der die Mißstände in einer Denkschrift aufzeigte, wurde Anklage wegen Disziplinverletzung vor dem Militärgericht erhoben. Der Kriegsminister Frh. von Schönaich bat Tschermak zu einer Audienz, in welcher dieser die persönlichen, organisatorischen und ökonomischen Verhältnisse an der Hochschule schilderte und ein Abhilfeprogramm darlegte. Die Antwort des Kriegsministers war, die Pensionierung des Sektionschefs, des Rektors und des Prorektors, die Freigabe der Rektorswahl und die Aufhebung des Militärkommandos der Hochschule.  Durch das Vertrauen seiner Kollegen zum geschäftsführenden  Prorektor (1908-1909), nach Ausarbeitung und Genehmigung des Rektorstatutes zum Rektor für die Jahre 1909-1911 gewählt. Das Ziel war, die Hebung der Veterinärmedizin, des tierärztlichen Standes und die Ausgestaltung der Hochschule überparteilich zu vereinigen. Eine wesentliche Stütze dazu bildete die Einführung des bis dahin nicht obligatorischen Doktorates der Veterinärmedizin auf Grund einer besonderen wissenschaftlichen Leistung, das erstmalig 1909 verliehen wurde. Neuorganisation und Vereinfachung des bürokratischen Ablaufs aber auch die Vermehrung von Professoren und Dozentenstellen machte die Hochschule effizient in ihrer Handlung.

Weitere Verdienste von Tschermak – Seysenegg waren: die Schaffung einer selbstständigen buiatrischen Klinik, die Lehrkanzel für Seuchenlehre, eine Dozentur für Botanik, für Zoologie, für Alpwirtschaft und Genossenschaftswesen.  In gemeinsamen Beratungen mit der Lemberger Hochschule wurde eine völlig neue Studien - und Prüfungsordnung geschaffen. Die Stipendienwesens  wurde ebenfalls neu geregelt und damit 1911 die  Grundlage zu einer sozialen Studentenfürsorge geschaffen.

1913 folgte Tschermak – Seysenegg den Ruf an die Deutsche Universität nach Prag.

Die Auszeichnungen und Anerkennungen Tschermak – Seyseneggs sind zahlreich: Am November 1911 wurde ihm der Titel und Charakter eines Hofrates verliehen. Im selben Jahre wurde Tschermak – Seysenegg korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien und der Akademie deutscher Naturforscher in Halle. 1930 Verleihung der Ehrenmitgliedschaft Reichsorganisation deutscher Tierärzte der C.S.R., und im Juni 1934 erhielt er das Ehrendoktorat der Wiener Tierärztlichen Hochschule. Nicht nur im deutschen Sprachraum war sein Ruf unbestritten. Zur Zeit seines Rektorates entsandten ausländische Regierungen, so die türkische, bulgarische, rumänische, chinesische und japanische Delegierte zum Studium der von ihm geschaffenen Reformen nach Wien. Für seine Vorschläge zur Reform der japanischen Hochschule wurde er mit dem Komtur des Ordens der aufgeheneden Sonne ausgezeichnet. Das wissenschaftliche Werk Tschermak – Seyseneggs hier aufzuzählen, würde den Rahmen überschreiten, doch sollten diese nicht übergangen werden und in einer Denkschrift ihren Platz finden.

 

Dr.Ch.M.1999

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